Was macht eine Stagerin?
Wenn wir eine Tanzaufführung sehen, erleben wir Präsenz, Intensität und einen scheinbar geschlossenen Kosmos auf der Bühne. Was oft unsichtbar bleibt: die vielen Hände, Köpfe und Körper, die daran beteiligt sind, ein Werk entstehen zu lassen und eben auch lebendig zu halten. Dazu zählt auch die Rolle der Stager:innen: Als enge Mitarbeitende von Choreograf:innen bringen sie bestehende Stücke erneut auf die Bühne und sorgen dafür, dass choreografisches Wissen weitergegeben wird. Im Gespräch mit Marija Slavec, Stagerin von Promise von Sharon Eyal, wird deutlich, wie viel Verantwortung, Übersetzungsarbeit und Feingefühl in dieser Tätigkeit steckt.
Das Stück Promise kreierte Sharon Eyal ursprünglich für und mit der Kompanie tanzmainz im von der Covid-19-Pandemie geprägten Jahr 2021. Die Tänzerin, Gaga-Lehrende, Probenleiterin und Stagerin Marija Slavec war damals Teil der Originalbesetzung, tanzte unzählige Vorstellungen und ging auch international auf Tour –
zuletzt vor fast genau einem Jahr.
Hier in St. Gallen gibt sie das Stück und ihre Erfahrungen nun erstmals an eine andere Kompanie weiter und übernimmt damit eine besondere Rolle: zwischen Vergangenheit und Gegenwart eines Werkes, zwischen der Intention einer Choreografin und einer neuen Gruppe von Individuen, die gerade in diesem Stück eine unbeschreibliche Einheit bilden – und gleichzeitig ihren individuellen Ausdruck darin finden müssen.
Eine Stagerin ist keine Choreografin – und doch trägt sie deren Handschrift weiter. Sie bewahrt die choreografische Struktur, den Stil, die Präzision und die Atmosphäre eines Stückes, ohne es zu kopieren. Dabei geht es nicht um mechanische Reproduktion, sondern um die Vermittlung einer Praxis, einer inneren Haltung und körperlicher Logik. Gerade bei markanten Arbeit Sharon Eyals ist diese Übersetzungsarbeit zentral. Die Bewegungssprache ist hochpräzise und gleichzeitig offen: fest in ihrer Struktur, aber mit Raum für individuelle Erfahrung. Marija beschreibt ihre Aufgabe als ein permanentes Suchen nach Sprache – wohl wissend, dass vieles eigentlich jenseits von Worten geschieht.
Die Tänzer:innen sollen nicht forcieren, nicht darstellen, sondern erleben. Gefühle werden nicht vorgeschrieben, sondern ermöglicht. Die Stagerin begleitet diesen Prozess, bietet Bilder, Impulse und Wiederholungen an – und lässt gleichzeitig Raum für persönliche Wege. Ein echter Balanceakt zwischen Offenheit und klaren Vorgaben.
zuletzt vor fast genau einem Jahr.
Hier in St. Gallen gibt sie das Stück und ihre Erfahrungen nun erstmals an eine andere Kompanie weiter und übernimmt damit eine besondere Rolle: zwischen Vergangenheit und Gegenwart eines Werkes, zwischen der Intention einer Choreografin und einer neuen Gruppe von Individuen, die gerade in diesem Stück eine unbeschreibliche Einheit bilden – und gleichzeitig ihren individuellen Ausdruck darin finden müssen.
Eine Stagerin ist keine Choreografin – und doch trägt sie deren Handschrift weiter. Sie bewahrt die choreografische Struktur, den Stil, die Präzision und die Atmosphäre eines Stückes, ohne es zu kopieren. Dabei geht es nicht um mechanische Reproduktion, sondern um die Vermittlung einer Praxis, einer inneren Haltung und körperlicher Logik. Gerade bei markanten Arbeit Sharon Eyals ist diese Übersetzungsarbeit zentral. Die Bewegungssprache ist hochpräzise und gleichzeitig offen: fest in ihrer Struktur, aber mit Raum für individuelle Erfahrung. Marija beschreibt ihre Aufgabe als ein permanentes Suchen nach Sprache – wohl wissend, dass vieles eigentlich jenseits von Worten geschieht.
Die Tänzer:innen sollen nicht forcieren, nicht darstellen, sondern erleben. Gefühle werden nicht vorgeschrieben, sondern ermöglicht. Die Stagerin begleitet diesen Prozess, bietet Bilder, Impulse und Wiederholungen an – und lässt gleichzeitig Raum für persönliche Wege. Ein echter Balanceakt zwischen Offenheit und klaren Vorgaben.
© Andreas Etter
Dieser Prozess wurde in St. Gallen von zwei Stagern getragen. Den Auftakt der Proben leitete Léo Lérus, Tanzpädagoge, Probenleiter der Sharon Eyal Dance Company sowie Assistent von Sharon Eyal und Gai Behar. Er vermittelte das choreografische Material, die strukturelle Präzision der Arbeit und legte damit die Grundlage für den weiteren Probenprozess. Mit der Übergabe an Marija Slavec eröffnete sich eine zweite Perspektive auf das Stück. Die Kombination dieser beiden Zugänge erwies sich als grosse Stärke – unterschiedliche Blickwinkel, Vermittlungsweisen und Erfahrungsräume ermöglichten den Tänzer:innen vielfältige Zugänge zur Arbeit und unterstützten sie darin, innerhalb der klaren choreografischen Struktur ihren eigenen körperlichen Ausdruck zu entwickeln. All dies geschieht in enger Abstimmung und kontinuierlicher Kommunikation mit der Choreografin, die, obwohl nicht vor Ort, durchgehend präsent ist. Vertrauen spielt dabei eine zentrale Rolle – ebenso wie Verantwortung.
Marija beschreibt, dass sie beim Zuschauen nicht das Bedürfnis verspürt, selbst auf der Bühne zu stehen. Vielmehr freut sie sich, andere beim Erleben dieses intensiven körperlichen Zustands zu begleiten. Sie tritt zurück, um das Werk sprechen zu lassen, und bringt dafür ihre Erfahrung, ihre Erinnerung an die Entstehung sowie ihr Körperwissen ein.
Über die Arbeit von Stager:innen zu sprechen heisst auch, Tanz als kollektive Kunstform ernst zu nehmen. Es macht sichtbar, wie Qualität weitergegeben, Werke fortgeführt und Übergänge ermöglicht werden. Stager:innen sind essenziell, um Stücke über ihre Premiere hinaus lebendig zu halten, sie einem weiteren Publikum zugänglich zu machen und ihre Kraft unabhängig vom Ort zu entfalten – getragen von einer engen, oft unsichtbaren Zusammenarbeit.
Marija beschreibt, dass sie beim Zuschauen nicht das Bedürfnis verspürt, selbst auf der Bühne zu stehen. Vielmehr freut sie sich, andere beim Erleben dieses intensiven körperlichen Zustands zu begleiten. Sie tritt zurück, um das Werk sprechen zu lassen, und bringt dafür ihre Erfahrung, ihre Erinnerung an die Entstehung sowie ihr Körperwissen ein.
Über die Arbeit von Stager:innen zu sprechen heisst auch, Tanz als kollektive Kunstform ernst zu nehmen. Es macht sichtbar, wie Qualität weitergegeben, Werke fortgeführt und Übergänge ermöglicht werden. Stager:innen sind essenziell, um Stücke über ihre Premiere hinaus lebendig zu halten, sie einem weiteren Publikum zugänglich zu machen und ihre Kraft unabhängig vom Ort zu entfalten – getragen von einer engen, oft unsichtbaren Zusammenarbeit.